Zivilcourage-Projekt

Die VAB und BEJ SchülerInnen der Droste-Hülshoff-Schule engagierten sich, unter Anleitung der Bahnhofsmission Friedrichshafen, am 18.11.2015 in einem Zivilcourage-Projekt.

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Teilnehmende SchülerInnen des BEJ und VAB

Schwerpunkt des Projektes ist die Sensibilisierung der Schüler für die Hilfebedürftigkeit von Menschen mit Beeinträchtigung. Die Schüler erhielten einen praktischen Einblick davon, wie sie Menschen mit Beeinträchtigung im Alltag, im speziellen auf Reisen, unterstützen können und nebenbei erlangten sie eine Wertschätzung für ihre eigenen Gesundheit.

Vorerst bekamen die Schüler eine Einsicht in die tagtägliche Aufgaben, die Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Bahnhofsmission bewerkstelligen. Bahnhofsmissionen helfen bedingungslos Deutschlandweit über 2 Millionen sozial benachteiligten Menschen, auch ohne vorherige Anmeldung. Das Angebot ist niederschwellig, unbürokratisch und vertraulich. Bahnhofsmissionen sind Einrichtungen der Evangelischen und Katholischen Kirche und vom christlichen Ansatz her betrachtet, verfügt jeder Mensch in jeder Lebenssituation über gleich viel Wert und Würde, ganz unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten, seiner Weltanschauung oder seiner religiösen Überzeugung. Auch während der Einführung in die geschichtliche Entwicklung der Bahnhofsmission Friedrichshafen, kamen die Schüler mit den Besuchern der Bahnhofsmission in Kontakt.

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SchülerInnen erleben den Alltag aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers

Nach der Einführung wurden die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt. In einer Gruppe bildeten die Schüler Partnerschaften, in diesen im Wechsel jeweils einem die Augen verbunden wurde. Die Schüler übernahmen die Verantwortung und führten ihren blinden Partner vorsichtig am Gleis entlang, die Treppen runter und hinauf. Sie warnten vor Passanten und Barrieren, die ihnen entgegen kamen und leiteten sie durch Körperdruck, Sprache und Führung am Arm zum Ziel. Die Unsicherheiten am eigenen Körper zu erfahren, wenn man sich blind in der Gesellschaft bewegt, hinterließ bei den Schülern einen bleibenden Eindruck.

In der anderen Gruppe bekamen die Schüler eine Crash-Kurs für den Umgang mit Menschen, die mit einem Rollstuhl auf Reisen sind. Nachdem die technischen Funktionen des Rollstuhls (Feststellbremsen, Bremshebel an den Griffen, usw.) erläutert wurde, durften die Schüler (wieder jeweils als Zweier-Team) das Führen eines Rollstuhls über Bordsteine und Treppen hoch ins Bahnhofskiosk üben. Die Erkenntnis, dass das Führen eines Rollstuhls herausfordernd sein kann und die Tatsache, dass unüberwindbare Barrieren vorhanden sind, stimmte manche Schüler nachdenklich. So ist es beispielweise einem Rollstuhlfahrer möglich, mit der Unterstützung eines Helfers (durch vollen Muskeleinsatz) die Treppen zu einem Bahnhofskiosk zu überwinden, nur innen angekommen stellt er sodann fest, dass er aufgrund der Enge der Gänge den Kiosk nur bedingt nutzen kann.

In beiden Gruppen konnten die Schüler die Erfahrung machen kurzzeitig „in den Schuhen eines Menschen mit Beeinträchtigung“ zu stecken. Das entstandene Gefühl von Unsicherheit, Hilfebedürftigkeit und Scham, was entsteht, wenn andere Menschen einen im Rollstuhl beobachten, hat die Empathiefähigkeit der Schüler der Droste-Hülshoff-Schule für Menschen mit Beeinträchtigung nachdrücklich beeinflusst.

Die Anwendung der anerkannten Führungsregeln und die Verantwortungsübernahme für blinde Menschen, erlebten die Schüler als aufschlussreich und stärkend, künftig den Mut aufzubringen, um Menschen mit Beeinträchtigung bei der Bewältigung ihrer Alltagsaufgaben zu unterstützen. Zum Abschluss wurden in der Bahnhofsmission, bei einer Tasse Tee, die einzelnen Erfahrungen der Schüler reflektiert.